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Archiv der Kategorie 'Theatergeschichte'

Christoph Schlingensief erlag dem Krebs

am 21. August 2010 unter Theatergeschichte abgelegt

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Am Samstag den 21.08.2010 erlag Christoph Schlingensief seinem Krebsleiden.
Christoph Maria Schlingensief (* 24. Oktober 1960 in Oberhausen ) war ein deutscher Film-, Theater- und Opernregisseur, (Hörspiel)-Autor, Aktionskünstler und Talkmaster.

2009 eröffnete er ein Opernhaus in Burkino Faso “Festspielhaus Afrika”

Zum Gedenken an Heidi Kabel

am 15. Juni 2010 unter Theatergeschichte abgelegt

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Die bekannte und beliebte Volksschauspielerin ist im Alter von 95 Jahren verstorben. Für das Ohnsorg Theater stand die Schauspielerin jahrzehntelang auf der Bühne .
Seit 1954 waren ihre Stücke bundesweit im Fernsehen zu sehen.

Über 65 Jahre stand Heidi Kabel auf der Bühne und begeisterte ihr Publikum in weit über 160 plattdeutschen Stücken.
Mit Mutterwitz und Menschenkenntnis gestaltete und füllte sie die großen Frauenrollen des deutschsprachigen Volkstheaters und machte so, das Plattdeutsche theaterfähig.

2009 schrieb Felixa in ihrer Hausarbeit über die beliebte Schauspielerin und das Ohnsorg Theater.
An dieser Stelle nochmals vielen Dank an das Ohnsorg Theater, für die große Unterstützung und das viele Bildmaterial.
Dadurch entstand ein tolles Nachschlagewerk und eine schöne Erinnerung an Heidi Kabel.

Ionesco

am 22. Mai 2009 unter Theatergeschichte abgelegt

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Er wurde 1909 (und nicht, wie häufig zu finden, 1912) unter dem Namen Eugen Ionescu im damaligen Königreich Rumänien als erstes Kind eines Juristen und Verwaltungsbeamten und der in Rumänien aufgewachsenen Tochter eines dort tätigen französischen Eisenbahningenieurs geboren. 1913 ging die junge Familie nach Paris, weil der Vater dort promovieren wollte. Als 1916 Deutschland und Österreich Rumänien den Krieg erklärten, kehrte der Vater zurück in sein Heimatland, wo er sehr rasch alle Verbindungen zu seiner Familie kappte, die Scheidung beantragte und wieder heiratete.
Der inzwischen sechsjährige Ionesco blieb zusammen mit seiner jüngeren Schwester und seiner Mutter, die sich und die Kinder mühsam mit Gelegenheitsarbeiten und Zuwendungen ihrer französischen Verwandten ernährte, in Paris. Er wurde, damit die Mutter arbeiten konnte, in ein Kinderheim gesteckt, in dem er sich aber nicht eingewöhnen konnte. Die Jahre 1917-19 lebten er und seine Schwester bei einer Bauernfamilie in einem Dorf, La Chapelle-Athenaise, nahe Laval (Mayenne), Normandie – in seiner Erinnerung eine paradiesische Zeit.
1925 gingen die Geschwister zum Vater nach Bukarest. Hier mussten sie, obwohl sie durch ihren Vater rumänische Staatsbürger waren, Rumänisch fast wie eine Fremdsprache lernen und fanden kein Verhältnis zu ihrer (kinderlos gebliebenen) Stiefmutter. 1926 überwarf sich Ionesco mit seinem offenbar sehr autoritären Vater, der für die inzwischen manifesten literarischen Interessen seines sechzehnjährigen Sohnes nur Verachtung übrig hatte und einen Ingenieur aus ihm machen wollte.
Ionesco zog zur Mutter, die inzwischen auch wieder nach Rumänien gekommen war und einen passablen Posten bei der rumänischen Staatsbank gefunden hatte. 1928 begann er ein Französischstudium an der Universität Bukarest. Hier war er Schüler von Nicolae C. Ionescu, und er lernte Émile Michel Cioran und Mircea Eliade sowie seine spätere Frau Rodica Burileanu kennen, eine Philosophie- und Jurastudentin aus einflussreicher rumänischer Familie. Daneben las er viel und schrieb (auf Rumänisch) Lyrik, Feuilletonistisches und Literaturkritiken. Nachdem er 1934 sein Studium abgeschlossen hatte, unterrichtete er Französisch an verschiedenen Schulen und anderen Bildungseinrichtungen. Im Jahr 1936 heiratete er.
1938 beschaffte sich Ionesco über das Bukarester Institut français ein Promotionsstipendium für Frankreich, nicht zuletzt um dem Druck zu entgehen, der in dem zunehmend totalitären Rumänien auf eher linken Intellektuellen wie ihm lastete. Von Paris aus belieferte er rumänische Zeitschriften mit Neuigkeiten aus der Pariser literarischen Szene.
Nach der Niederlage Frankreichs im “Blitzkrieg” (Mai/Juni 1940) gingen er und seine Frau zurück in das zu dieser Zeit relativ ruhige Rumänien, wo er als Soldat gemustert, aber nicht eingezogen wurde.
1942 oder 1943, nachdem sich Rumänien 1941 Deutschland im Krieg gegen die Sowjetunion angeschlossen hatte, schafften es die Ionescos, wieder in das nunmehr ruhigere Frankreich zu reisen, wo sie (zunächst in Marseille, dann in Paris) endgültig blieben. Dort wurde auch 1944 ihr einziges Kind, die Tochter Marie-France, geboren. Finanziell ging es ihnen schlecht, Ionesco verdingte sich als Druckfahnen-Korrektor in einem Pariser juristischen Verlag, wo er bis 1955 angestellt blieb.
1948 konzipierte Ionesco (zunächst auf Rumänisch) sein erstes Stück, La Cantatrice chauve/Die kahle Sängerin, das 1950 aufgeführt wurde und, wenn auch nicht beim Publikum, so doch bei etlichen Kritikern und Literaten Beachtung fand. 1950 nahm er, dessen Muttersprache ohnehin Französisch war, die französische Staatsbürgerschaft an. Er verfasste die Stücke La Leçon/Die Unterrichtsstunde (Aufführung 1951) und Jacques ou la Soumission/J. oder die Unterwerfung, die ihn nun ganz zu einem Französisch schreibenden Autor werden ließen.
1951 folgten Les Chaises/Die Stühle, Le Maître/Der Lehrer und L’Avenir est dans les œufs/Die Zukunft ist in den Eiern. 1952 entstand Victimes du devoir/Opfer der Pflicht, zugleich wurden La Cantatrice chauve und La Leçon wieder aufgeführt. 1953 war ein Erfolgsjahr: die Victimes wurden uraufgeführt, dazu mit Erfolg eine Serie von sieben Sketchen. Ein erster Sammelband von Stücken wurde gedruckt. Des Weiteren verfasste Ionesco Amédée ou comment s’en débarrasser /A. oder Wie soll man ihn loswerden und Le nouveau locataire/Der neue Mieter.
Ionesco hatte sich nun als absurd-witziger Autor etabliert, der auch schon fast von seinen Stücken leben konnte. 1954 schrieb er Le Tableau/Die Tafel und die Erzählung Oriflamme und machte eine erste Vortragsreise ins Ausland (nach Heidelberg). 1955 verfasste er L’Impromptu de l’Alma/Das Stegreifstück der Alma und erlebte die erste Aufführung eines seiner Stücke im Ausland (Le nouveau locataire). 1957 wurden La Cantatrice chauve und La Leçon von dem kleinen Pariser Théâtre de la Huchette neu einstudiert, wo sie ununterbrochen bis heute (Mai 2006) im Programm sind.

Im Herbst 1957 erschien die Erzählung Rhinocéros, mit der Ionesco offenbar verängstigt auf den seuchenhaften Ausbruch von Hurra-Patriotismus und Rassismus reagierte, den Frankreich während der von den Medien aufgebauschten “Schlacht von Algier” (Winter 1956/1957) erlebte, mit der das französische Militär die Wende im Algerienkrieg (1954-1962) zu erreichen hoffte. Im Herbst 1958 entstand das Stück Rhinocéros/Die Nashörner, das Handlung und Personenkonstellation der gleichnamigen Erzählung leicht verändert übernahm und wo Ionesco, offenbar erneut verängstigt, warnend auf die “Machtergreifung” General de Gaulles reagierte, von dem sich in der Tat viele seiner Anhänger zunächst ein autoritäres rechtes Regime erhofften.
Als das Stück, das für Frankreich zunächst als zu brisant erschien, 1959 in Düsseldorf uraufgeführt wurde, glaubte das deutsche Publikum allerdings, es nehme den Nationalsozialismus beziehungsweise dessen unkritische und allzu willige Mitläufer aufs Korn – eine Deutung, die man in Frankreich nur zu gern übernahm, als Rhinocéros 1960 auch im inzwischen wieder ruhigen Paris inszeniert wurde. Ionesco selber deutete später sein Stück in dem Sinne, dass es nicht auf eine bestimmte Ideologie bezogen, sondern als generelle Kritik an Massenbewegungen gemeint sei.
Im Winter 1958/1959 entwickelte er aus der Erzählung Oriflamme das Stück Tueur sans gages/Killer ohne Lohn.
1961/1962 entstand Le Roi se meurt/Der König stirbt, ein verschlüsselter Abgesang auf Frankreichs endende Rolle als einst stolze Kolonialmacht. 1962 verfasste er Délire à deux/Delirium zu zweit und Le Piéton de l’air/Fußgänger der Luft (letzteres wiederum zuerst als Erzählung und erst danach als Stück). Ebenfalls 1962 erschien unter dem Titel Notes et contre-notes eine Sammlung von Artikeln und Vorträgen Ionescos zu seinem Theater.
1964 wurde in Düsseldorf mit La Soif et la faim/Hunger und Durst eine weitere Ionesco-Uraufführung inszeniert. Im selben Jahr wurde mit Rhinocéros erstmals ein Stück von ihm in seinem Geburtsland Rumänien aufgeführt.

Harold Pinter

am 20. Mai 2009 unter Theatergeschichte abgelegt

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Pinter wurde als Sohn von Jack Haim Pinter, einem sephardischen Schneider, und Frances Moskowitz’, aschkenasisch, im London Borough of Hackney geboren. Sein Familienname geht auf den portugiesischen Namen Pinto zurück, seine Vorfahren mussten vor der Inquisition aus Portugal fliehen und emigrierten über Ungarn nach Großbritannien. Pinter wuchs im proletarisch geprägten Londoner Eastend auf. Als er 1948 zum Militär einberufen wurde, verweigerte er den Kriegsdienst und kam in Folge dessen ins Gefängnis. Sein über ein Stipendium finanziertes Studium an der Royal Academy of Dramatic Art in London brach er ab, um mit einer Wanderbühne, die Shakespeare-Stücke in Irland aufführte, umherzuziehen
Als junger Mann veröffentlichte er Poesie und spielte als Schauspieler Theater. Sein erstes Theaterstück The Room („Das Zimmer“) schrieb er 1957. Im selben Jahr begann er mit der Arbeit an dem Stück The Birthday Party („Die Geburtstagsfeier“), das jedoch kein Erfolg wurde, obwohl es von der Sunday Times gelobt wurde. Seinen Durchbruch hatte er mit dem Stück The Caretaker („Der Hausmeister“), das 1960 uraufgeführt wurde. Es folgten drei Jahrzehnte, in denen er einer der meistgespielten und einflussreichsten britischen Dramatiker war. Neben Theaterstücken schrieb er Drehbücher (u.a. für Regisseure wie Joseph Losey, Elia Kazan, Robert Altman, Volker Schlöndorff und Paul Schrader), Hör- und Fernsehspiele sowie den Roman Die Zwerge, führte Regie und arbeitete als Schauspieler für Film und Theater .
Umstritten ist, ob die Unklarheit und Undurchschaubarkeit der Welt in Pinters Theatertexten schon Grund genug ist, seine Werke dem Absurden Theater zuzurechnen. Zumindest lässt sich einwenden, dass nicht seine Stücke absurd sind, sondern die Umstände, in denen die Figuren seiner Stücke leben. Gerade die berühmten früheren Arbeiten Pinters sind gesättigt mit Realität, geben Einblick in ärmliche und sozial bedrückende Existenzverhältnisse. Oft wissen die Figuren Pinters selbst nicht, welchen Motiven sie folgen. Die letzten Sätze des alten Davies in Pinters Stück „Der Hausmeister“ , der sich in die Geborgenheit eines fremden Zimmers zu drängen versucht, zeigen, wie wenig Selbstgewissheit ihm geblieben ist: „Was soll ich machen? Wo soll ich hin?“
In den 1980er Jahren zeigte Harold Pinter offen politisches Engagement. 1985 reiste er mit dem amerikanischen Dramatiker Arthur Miller in die Türkei, wo sie sich mit Opfern politischer Unterdrückung trafen. Pinters Erfahrung mit der Unterdrückung der kurdischen Sprache inspirierten ihn zu seinem 1988 veröffentlichten Theaterstück Mountain Language („Berg-Sprache“). Seine öffentliche Verteidigung des jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milošević, der vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag des Völkermords und des Verbrechens gegen die Menschlichkeit angeklagt war, sorgte international für Kritik. Ebenso engagierte sich Pinter für Kampagnen gegen den Irakkrieg.
Für sein Werk wurde Pinter vielfach ausgezeichnet, darunter mit dem Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur (1973), dem Laurence Olivier Award (1996) und dem wichtigsten Literaturpreis Englands, dem David-Cohen-Preis (1995). 2001 wurde Pinter mit der Hermann-Kesten-Medaille ausgezeichnet; am 13. Oktober 2005 erhielt er den Nobelpreis für Literatur: «Pinter hat in seinen Dramen den Abgrund unter dem alltäglichen Geschwätz freigelegt und ist in den geschlossenen Raum der Unterdrückung eingebrochen», hieß es in der Begründung. Im Oktober 2005 erhielt er von der Franz-Kafka-Gesellschaft in Prag den alljährlich verliehenen Franz-Kafka-Preis. Da er auf Grund von Gesundheitsproblemen nicht persönlich nach Prag kommen konnte, nahm an seiner Stelle sein Freund Václav Havel den Preis entgegen. 2006 erhielt er den Premio Europa per il Teatro.
Da er aus Krankheitsgründen auch nicht persönlich zur Nobelpreisverleihung erscheinen konnte, wurde seine am Vortag aufgezeichnete Dankesrede als Video gezeigt. Dieses zeigte einen schwer an Krebs erkrankten Pinter, der die Publizität des Anlasses für heftige Vorwürfe gegen den US-Präsidenten und den britischen Premierminister nutzte: Er nannte George W. Bush im Zusammenhang mit dem Irakkrieg einen Massenmörder und Tony Blair einen „armen Irren“ („deluded idiot“).
Nach der Zuerkennung des Nobelpreises wurden Pinters Stücke vor allem in Großbritannien erneut in die Spielpläne vieler Bühnen aufgenommen, wobei vor allem seine frühen Werke ein halbes Jahrhundert nach ihrer Entstehung herausragende Inszenierungen erlebten und große Resonanz bei Kritik und Publikum fanden. Pinter selbst stand nach langen Jahren im Oktober 2006 im Londoner Royal Court Theatre noch einmal als Schauspieler in Samuel Becketts „Das letzte Band“ (Krapp’s Last Tape) auf der Bühne. Alle neun Vorstellungen waren innerhalb weniger Stunden ausverkauft.
Pinter starb am 24. Dezember 2008 an Kehlkopfkrebs.
Sein erstes Drehbuch The Servant schrieb Pinter 1963. Später schrieb er Drehbücher u. a. für „Accident – Zwischenfall in Oxford“, „Der Mittler“, „Die Geliebte des französischen Leutnants“ (1981), Turtle Diary (1985), nach dem Roman von Russell Hoban, „Die Geschichte der Dienerin“ (The Handmaid’s Tale) (1990), The Trial (1993), nach dem Roman „Der Prozeß“ von Franz Kafka. Er veröffentlichte auch ein Drehbuch zu Marcel Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“, das allerdings nicht verfilmt wurde. Einige von Pinters Stücken wurden ebenfalls für das Kino adaptiert: The Caretaker (1963), The Birthday Party (1968), The Homecoming (1973) und Betrayal (1983).
Für die Verfilmung seines Theaterstücks Der Hausmeister übernahm er 1963 gemeinsam mit den Darstellern Donald Pleasence, Alan Bates, dem Regisseur Clive Donner und anderen prominenten Geldgebern die Kosten für die Produktion, nachdem andere Geldgeber abgesprungen waren. Er selbst hatte in dem Film einen Kurzauftritt.
Gelegentlich übernahm Pinter auch selbst Filmrollen (so u.a. in The Servant 1963, Accident 1967, Turtle Diary 1985, Mansfield Park 1999 und Der Schneider von Panama 2001). Zuletzt entwickelte Pinter das Drehbuch für den Film 1 Mord für 2 auf der Grundlage des Stückes Sleuth (deutsch: „Revanche“ oder „Mord mit kleinen Fehlern“) seines Kollegen Anthony Shaffer, welches 2007 von Kenneth Branagh mit Jude Law und Michael Caine verfilmt wurde.
1977 geriet Pinter in die Schlagzeilen, nachdem er seine Frau, die Schauspielerin Vivien Merchant, mit der er seit 1956 verheiratet war, für Lady Antonia Fraser, die älteste Tochter des 7. Earl of Longford, verließ. Nach Pinters Scheidung heiratete das Paar 1980. Pinters Stück Betrayal („Betrug“) von 1978 wurde in diesem Zusammenhang verschiedentlich als Darstellung dieser Liaison gelesen; es basiert jedoch vielmehr auf einer früheren Affäre, die Pinter sieben Jahre lang mit der Fernsehmoderatorin Joan Bakewell verband.
Später machte ein öffentlicher Streit mit dem Theaterregisseur Peter Hall Furore, der Pinter in seinen 1983 erschienenen Tagebüchern als notorischen Trinker dargestellt hatte. Pinter und Hall gelang es jedoch, ihr freundschaftliches Verhältnis wiederherzustellen.
Pinter war ein großer Fan des englischen Nationalsports Cricket. Er war bis zu seinem Tod Vorsitzender des Gaieties Cricket Club.

Molière ( Jean-Baptiste Poquelin)

am 19. Mai 2009 unter Theatergeschichte abgelegt

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Molière teilt es mit Shakespeare, dass bis auf einige Unterschriften keine Zeile seiner Hand, kein Manuskript, kein Brief auf uns gekommen ist. Trotzdem ist es der unermüdlichen Forschung gelungen, sein Leben bis auf einige Dunkelheiten aufzuhellen. Bekanntlich ist der Name Molière nur ein Pseudonym, das der Schauspieler annahm. Der wirkliche Name unseres Dichters war Poquelin. In der nordfranzösischen Stadt Beauvais waren die Poquelins schon im 15. Jahrhundrt als Tuchweber ansässig. Ende des sechzehnten siedelte der Großvater des Dichters als Tapezierer nach Paris über.
Sein Sohn Jean, der den väterlichen Beruf fortsetzte, heiratete am 27. April 1621 Maria Gressé, die Tochter eines Zunftgenossen, und nach 8 Monaten ward dem Paare ein Sohn geboren, der in der Taufe am 15. Januar 1622 den erbenden Namen Jean erhielt: der spätere Jean-Baptiste Poquelin-Molière.
Dass sein Vater ein engherziger Knauser, seine Mutter dagegen eine vortreffliche und gebildete Frau gewesen sei, wird oft angenommen, ist aber nicht beweisbar. Die Mutter vererbte den Kindern ihre schwache Gesundheit. Jean-Baptiste war 11 Jahre alt, als der Vater, der es zu einigem Wohlstand und zu dem vielbegehrten Amt und Titel eines königlichen Hoftapezierers und Kammerdieners gebracht hatte, Witwer ward.
Als echtes Großstadtkind, das auch später nie ein innigeres Verhältnis zur Natur fand, wuchs der Knabe im innersten Paris auf. Er besuchte wahrscheinlich die Pfarrschule, machte dann bei seinem Vater die Lehre als Tapezierer durch, ward schließlich aber auf das 1618 von den Jesuiten eröffnete Collège de Clermont geschickt, die vornehmste, selbst von königlichen Prinzen besuchte Erziehungsanstalt des Landes. Hier erwarb er sich eine vortreffliche Bildung, studierte später wahrscheinlich Jura, amtierte vielleicht auch kurze Zeit als Advokat und scheint daneben mit Freunden ein wildes Kneipenleben geführt zu haben. Seine Theaterleidenschaft erwachte früh, und als sich die heftige Neigung zu Madeleine Béjart dazugesellte, einer hübschen und auf die Tugendrose keinen Anspruch erhebenden Schauspielerin, war sein Entschluss gefasst. Der entrüstete Vater musste es erleben, dass sein Ältester nach kostspieligem Studium 1643 zu den gerade vom guten Bürgerstande verachteten Komödianten abschwenkte. Aus dem Tapezierersohn Jean-Baptiste Poquelin ward der Schaupieler Sieur de Molière, dessen Name zum erstenmal in einer Urkunde des Jahres 1644 auftaucht. Im Wagemut der Jugend gründete er mit seiner Geliebten Madeleine Béjart und anderen jungen Leuten in Paris eine neue Bühne, das “Illustre Théâtre”, aber trotz des hochtönenden Namens konnte sich die Gründung gegen die beiden anderen Pariser Schauspielgesellschaften, die königlichen, im Hotel de Bourgogne spielenden grands comédiens, und die im Théâtre du Marais spielenden petits comédiens, nicht behaupten. Nach knapp eineinhalb Jahren brach das “hochberühmte” Theater zusammen, und die zuletzt noch übrig gebliebenen Mitglieder schlossen sich einer der die Provinz bereisenden Wandertruppen an, deren Leben und Treiben Scarrons “Roman comique” so ungeschminkt schildert. Etwa von 1646 bis 1658 durchzog Molière erst als Mitglied, dann als Autor und Direktor der du Fresneschen Truppe das Land, lernte dabei fast ganz Frankreich kennen und erwarb sich eine gute Theaterpraxis. Das Klima der südlichen Provinzen, die er vorzugsweise durchzog, hat fraglos auch günstig auf sein Brustleiden eingewirkt und dem Dichter wenigstens eine Lebensdauer von etwa 50 Jahren gegönnt.
Im Herbst 1658 machte Molière, besser gerüstet als 14 Jahre vorher, dann einen zweiten Versuch, Paris zu erobern. Er kam jetzt mit eigenen, in der Provinz erprobten Stücken, mit einer darauf eingespielten Gesellschaft, mit einflussreichen Verbindungen und einigem pekuniären Rückhalt nach der Hauptstadt. Es gelang ihm, für seine Gesellschaft den Titel “Truppe des einzigen Bruders des Königs” zu erhalten, ja, er durfte mit ihr schon einige Wochen nach seinem Eintreffen vor dem König spielen. In einer seltsamen Verkennung seiner Fähigkeiten wählte er für diese Vorstellung eine Corneillesche Tragödie und hätte fast alles damit verdorben, wenn er in der Not des Augenblicks nicht noch eine eigene kleine Farce zugegeben hätte.
Damit gewann er den König, und in Kürze errang er sich nun auch mit siner erst zwölf, dann 15 ordentliche Mitglieder zählenden Truppe eine feste Position in der Hauptstadt, - wenigstens auf komischem Gebiet. Dass Molière vielen nur als Possenreißer galt, dass auch der König, der ihn sehr schätzte, ihm eine Pension bewilligte und bei seinem ersten Kinde Patenstelle übernahm, von seiner eigentlichen Bedeutung keine Ahnung hatte, sondern ihn mehr als brauchbaren Festarrangeur und Spaßmacher betrachtete, hat den Dichter gewiss oft gekränkt.
Er spielte zuerst im Saal des Petit-Bourbon, dann in dem des Palais-Royal. Hier kamen zum erstenmal all die Werke auf die Bühne, auf die noch heute ganz Frankreich stolz ist. Sie warfen ihrem Schöpfer reiche Einkünste ab. Es erlaubte ihm, seinem Hange zum Luxus nachzugeben, und da auch keine literarische Stellung immer günstiger ward, hätte er glücklich sein können, wenn nicht seine Ehe sein Gemüt oft verdüstert hätte. Diese Ehe ist vielleicht das trübste Kapitel in seinem Leben. Er hatte mit den Frauen nie viel Glück gehabt, und die Liebschaften, die er mit Madeleine Béjart und als Direktor mit anderen schönen Schauspielerinnen seiner Truppe unterhalten hatte, mögen ihm den Kopf schwer genug gemacht haben. Der Vierzigjährige verliebte sich mit wilder Leidenschaft in die 19jährige Armande Béjart, die er 1662 heiratete. Nach der offiziellen Version war sie die jüngste Schwester, nach einer immer wieder auftauchenden Behauptung, die nicht kurzerhand abgelehnt werden kann, die Tochter seiner langjährigen Geliebten Madeleine Béjart.
Zu alledem trat noch Krankheit. Sie hatte ihn schon 1665 schwer befallen. Es ward schlimmer mit ihm, und schon während der Proben zum “Eingebildeten Kranken” fühlte sich der Dichter sehr elend. Vor der vierten Vorstellung des Stückes, am 17. Februar 1673, beschwor ihn seine Frau, sich doch Ruhe zu gönnen und nicht zu spielen. Er antwortete: “Wie kann ich das? Fünfzig Arbeiter, die nichts als ihren Tagelohn besitzen, sind zur Stelle; was sollen sie tun, wenn ich nicht spiele?” So fand die Vorstellung statt, aber der “Eingebildete Kranke”, der da auf der Bühne in dem noch heute von der “Comédie-Française”
aufbewahrten Lehnstuhl saß, war ein wirklich Kranker, der bei dem Worte “Juro” einen Krampfanfall bekam und ihn mühsam dem Publikum zu verbergen trachtete. Man schaffte ihn nach der Vorstellung in einer Chaise nach Hause, wo einem bösen Hustenanfall ein starker Bluterguss folgte. Der Priester, nach dem man schickte, erschien nicht rechtzeitig. Zwei fromme Schwestern jedoch, die Almosen sammelnd während der Fastenzeit nach Paris gekommen waren und in des Dichters Hause Aufnahme gefunden hatten, weilten am Sterbebett. In ihren Armen verschied Molière, in dem Blut erstickend, das ihm aus dem Munde quoll.
Da kein Priester ihm das Sakrament gereicht hatte, ward die kirchliche Beisetzung erst abgelehnt: man gewährte sie nur denjenigen Schauspielern, die vor dem Ende ihrem “sündhaften Beruf” reuevoll entsagt hatten. Schließlich ward auf einen Wink von oben das christliche Begräbnis vom Erzbischof doch unter der Bedingung bewilligt, dass es nachts, ohne Pomp und ohne besondere kirchliche Feier stattfinde. Am 21. Februar abends war der Dichter begraben; man nimmt jedoch an, dass die Leiche auf geheime kirchliche Ordre unmittelbar nach der Bestattung aus der geweihten Erde wiederentfernt und nach einem anderen Teil des Friedhofes gebracht wurde, wo die Selbstmörder und die ungetauften Kinder ruhten. Die Molièresche Truppe überwand die durch den Tod ihres Leiters veranlasste Krise und vereinigte sich 1680 mit den königlichen Schauspielern vom Hotel de Bourgogne. Aus dieser vom König gewünschten Verschmelzung der beiden Pariser Theater - das Maraistheater hatte seine Vorstellungen inzwischen eingestellt - ging die noch heute blühende Comédie-Française hervor, die also mit Fug ihren Ursprung auf Molière zurückführt.

Tennessee Williams

am 16. Mai 2009 unter Theatergeschichte abgelegt

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Tennessee Williams, Sohn von Cornelius Coffin Williams und Edwina Dakin, wuchs in Columbus/Mississippi auf und erlebte dort eine relativ glückliche Kindheit, obwohl sein Vater als reisender Schuhverkäufer oft abwesend war und ein recht unstetes Leben führte. 1918 musste er mit seiner Familie nach St. Louis im US-Bundesstaat Missouri ziehen, wo er seine Jugend verbrachte und in beengten, ärmlichen Verhältnissen lebte. Von 1929 bis 1932 studierte er Publizistik und Theaterwissenschaften an der Columbia University (Missouri); nach Abbruch des Studiums jobbte er als Arbeiter in einer Schuhfabrik. In New York besuchte er die Kurse von Erwin Piscator für junge Dramatiker. Bevor Williams 1944 mit The Glass Menagerie seinen ersten Bühnenerfolg feiern konnte, wurde das Script für dieses Stück während eines kurzen, erfolglosen Aufenthalts in Hollywood abgelehnt.
Seine schwierigen Familienverhältnisse finden teilweise Widerhall in seinem schriftstellerischen Werk. Der Vater Cornelius Williams schlug seine Kinder. Die Mutter, Edwina Williams, stammte aus einer vormals wohlhabenden Südstaatenfamilie. Sein Bruder, Dakin Williams, wurde vom Vater gegenüber Tennessee bevorzugt. Seine Schwester, Rose Williams, war psychisch krank und emotional instabil und verbrachte daher einen Großteil ihres Lebens unter ärztlicher Aufsicht. Dass an ihr eine Lobotomie vorgenommen wurden, zu der die Eltern ihr Einverständnis gegeben hatten, verzieh ihnen Tennessee nie.
Die Figuren in Williams’ Theaterstücken werden häufig im Zusammenhang mit seinem Familienhintergrund angesehen. So wird Laura Wingfield in The Glass Menagerie als von seiner Schwester Rose inspiriert angesehen und Amanda Wingfield als von seiner Mutter. Andere Figuren, wie etwa Tom Wingfield in The Glass Menagerie und Sebastian in Suddenly Last Summer, gelten ebenfalls als autobiographisch beeinflusst. Auch Brick Pollitt, die Hauptfigur in Cat on A Hot Tin Roof, weist starke autobiographische Züge auf. Vor allem jedoch war Williams ein Autor des amerikanischen Südens. New Orleans, das Delta des Mississippi und die Küste des Golfs von Mexiko sind Schauplätze seiner Stücke. Das Bild der puritanisch-bürgerlichen Südstaatengesellschaft diente ihm neben autobiographischen Bezügen als Vorlage für zahlreiche Theaterstücke.
In seinen Memoiren behauptet Williams, dass er bereits als Teenager sexuell aktiv geworden sei. Sein Biograph Lyle Leverich geht dagegen davon aus, dass er erst als Endzwanziger sexuelle Erfahrungen hatte. Williams’ wichtigste homosexuelle Beziehung war die zu seinem Sekretär Frank Merlo. Sie begann 1947 und endete mit Merlos Krebstod im Jahre 1961, der Williams in jahrelange Depressionen stürzte. Während der Zeit ihrer Beziehung gab Merlo Williams emotionale Stabilität und die damals entstandenen Werke gelten als seine besten.
Williams verbrachte viele Jahre in Rom; mit der italienischen Schauspielerin Anna Magnani verband ihn eine tiefe Freundschaft. Für sie schrieb er die Stücke „The Rose Tattoo“ („Die tätowierte Rose“) und „Orpheus Descending“ („Orpheus steigt herab“), in denen sie jeweils die Hauptrolle spielte.
Im Januar 1979 wurde Williams in Key West Opfer anti-schwuler Gewalt. Fünf Jugendliche schlugen auf Williams ein, der aber keine schweren Verletzungen erlitt. Vorausgegangen war der Tat eine Zeitungsanzeige gegen Homosexualität, die ein örtlicher Baptistenprediger geschaltet hatte und die mehrere tätliche Übergriffe zur Folge hatte.
Tennessee Williams erstickte am 24. Februar 1983 im Alter von 71 Jahren in seiner New Yorker City-Residenz im Hotel Elysee an einem Flaschenverschluss für Nasenspray oder Augentropfen. Der untersuchende Rechtsmediziner ging von einem natürlichen Tod aus[1], andere (u. a. Williams Bruder Dakin) nahmen an, dass er ermordet wurde. Williams wurde in St. Louis beigesetzt.

Johann Wolfgang von Goethe

am 16. Mai 2009 unter Theatergeschichte abgelegt

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Goethe war der berühmteste deutsche Dichter und einer der bekanntesten Dichter der Welt. Er hat größte und schönste dichterische Kunstwerke geschaffen und viele weise und richtige Erkenntnisse ausgesprochen.
Goethe wurde am 28.8.1749 in Frankfurt(Main) geboren. Er begann sein Studium der Jura 1768 in Leipzig, das er aber wegen einer schweren Krankheit unterbrach und 1771 in Straßburg fortsetzte. Auf Einladung von Herzog Carl August zog er nach Weimar, wo er ab 1776 im Staatsdienst arbeitete. 1786-1788 erste Italienreise, 1790 zweite Italienreise. Goethe starb am 22.3.1832 in Weimar.
Goethe war ein reichbegabter Mensch und lebenslang vom Glück begünstigt. Sein Vater war ein gebildeter Mann, der sein Leben nach strengen Grundsätzen führte, ohne daß er einen richtigen Beruf gelernt hätte. Seine Mutter dagegen war eine frohe, heitere Frau mit viel Wärme, Phantasie und Humor. Beide Eigenschaften seiner Eltern hatte der Sohn geerbt.
In Leipzig und Straßburg studierte Goethe auf Wunsch seines Vaters Rechtswissenschaft. In seine Straßburger Zeit fällt seine Liebe zu der jungen Friederike Brion in Sesenheim im Elsaß. Goethe konnte alle seine Empfindungen - Liebe, Trauer, Schmerz - mühelos in Worte kleiden. So hat er auch aus seiner Beziehung zu Friederike die schönsten Liebesgedichte verfaßt.
Nach Abschluß seines Studiums war Goethe Rechtsanwalt in Frankfurt, aber ohne daß ihm seine Arbeit Spaß gemacht hätte. Er wäre viel lieber ein unabhängiger Schriftsteller gewesen. Aber dieser Beruf konnte ihn nicht ernähren.
Goethe hat in seinem Leben viele Frauen geliebt. Sie gaben ihm immer wieder Anlaß zu neuen Dichtungen. Aber geheiratet hat er zunächst keine von ihnen. Er wollte seine Freiheit, seine Unabhängigkeit behalten. Friederike und manche andere hat er unglücklich gemacht, als er sie verließ.
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Werke u.a.

• 1773 Götz von Berlichingen
• 1774 Die Leiden des jungen Werther
• 1779 Iphigenie auf Tauris
• 1788 Egmont
• 1790 Torquato Tasso
• 1798 Hermann und Dorothea
• 1795 Wilhelm Meisters Lehrjahre
• 1808 Faust, 1. Teil
• 1809 Die Wahlverwandtschaften
• 1833 Faust, 2. Teil

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William Shakespeare

am 13. Mai 2009 unter Theatergeschichte abgelegt

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Shakespeare, wie der Name in allen amtlichen Urkunden lautet, oder Shakespere, wie der Dichter selbst in den fünf erhaltenen eigenhändigen Unterschriften seinen Namen schrieb, heißt deutsch etwa Speerschüttler, Speerschwinger, Speerträger. Möglicherweise sind Vorfahren des Dichters Landsknechte oder Polizisten gewesen. Fast alle Shakespeares, von denen wir wissen, gehörten den niederen Ständen an, waren Handwerker oder Ackerbürger.
Der um 1560 geborene Großvater des Dichters, Richard Shakespeare, hatte ein Landgut unweit Stratford. Nach diesem am Avon gelegenen Marktflecken siedelte etwa 1551 sein dritter, 21jähriger Sohn John über. Er wird als Fleichschändler, Wollhändler oder Handschuhmacher bezeichnet; wahrscheinlich nutzte er also die Produkte des väterlichen Gutes und der Landwirtschaft überhaupt, soweit sie sich auf Fleisch, Häute und Wolle bezogen, kaufmännisch aus. Er brachte es zu Vermögen, heiratete 1557 Mary Arden, die jüngste Tochter des wohlhabenden, dem niederen Adel angehörenden Robert Arden, und ward nacheinander Polizeimeister, Ratsherr (Alderman) und Bürgermeister von Stratford. Von seinen acht Kindern waren die beiden ältesten Mädchen, die früh starben. Um so freudiger ward der 1564 einpassierende erste männliche Spross begrüßt, der als William am 26. April in der (evangelischen) Stratforder Pfarrkirche getauft ward. Sein Geburtstag ist wahrscheinlich der 22. April (nach dem neuen, gregorianischen Kalender der 4. Mai).

Stratford war damals ein Landstädtchen von etwa 1500 Einwohnern, das trotz seiner wenig romantischen Lage und seiner Weltabgeschiedenheit dem Knaben doch mannigfache Anregungen bot. Im benachbarten Coventry gab es die berühmten Mysterienspiele anzustaunen, das nahegelegene Kenilworth sah glänzende Hoffeste zu Ehren der Anwesenheit Elisabeths, Stratford selbst war bei umherziehenden Schauspielertruppen sehr beliebt, die dort häufig ihre Künste zeigten. Vielleicht waren die Eindrücke, die der Knabe davon empfing, für sein ganzes späteres Leben entscheidend. Etwa von 1571 an besuchte er die Statforder Lateinschule. Hier las er erst Ovid und andere römische Dichter in der Ursprache und erwarb sich auch sonst genügende historische und andere rämische Dichter in der Ursprache und erwarb sich auch sonst genügende historische und allgemeine Kenntnisse, so dass er durchaus nicht so ungebildet war, wie es oft hingestellt wird. Immerhin soll er die Schule verhältnismäßig früh verlassen haben, da die Vermögensverhltnisse seines Vaters sich sehr verschlechterten. William kam entweder zu einem Fleischer in die Lehre oder als Schreiber zu einem Advokaten. Aus den nächsten Jahren berichtet die Überlieferung dann, dass der Most sich etwas wild gebärdete. Aus einem tugendholdigen Musterjüngling wär’ auch kein Shakespeare geworden. Er soll ein wackerer Zecher gewesen sein und der Anführer der städtischen Jugend bei gewaltigen Bierturnieren. Neben manchem Rausch soll er ferner auch manchen Rehbock nach Hause getragen haben, den er auf Wilddiebspfaden in den Forsten der Nachbarschaft schoss. Dafür soll ihn der Besitzer der Jagd haben einsperren oder gar auspeitschen lassen, und Shakespeare soll sich durch ein Spottgedicht gerächt haben. Jedenfalls ward ihm Stratfords Boden allmählich zu heiß, und eine übereilte Ehe, die der Achtzehnjährige mit einer um acht Jahre älteren Bäuerin namens Anna Hathaway schloss, - die Erklärung dafür bietet vielleicht ein schon wenige Monate nach der Hochzeit geborenes Kind -, trug auch nicht dazu bei, ihm den Aufenthalt in der Enge des Landstädtchens angenehmer zu machen. Im Februar 1585 ward ihm ein Zwillingspaar geboren, und bald nachher führte er einen wohl längst genährten Plan aus: er verließ, wahrscheinlich heimlich, Stratford und ging nach London. Es ist anzunehmen, dass ihn dabei von vornherein die Absicht leitete, Schauspieler zu werden.

London zählte zu jener Zeit etwa eine Viertelmillion Einwohner, und auf der Themse wie in den engen Straßen spielte sich das bunte, farbige, lustige Leben Alt-Englands ab. Über die ersten Londoner Jahre Shakespeares wissen wir nichts. Er muss aber rasch seinen Weg gemacht haben, denn schon 1592 spottet Greene in seiner Schrift “Für einen Pfennig Weisheit” über ihn als den Allerweltskünstler, den wahren Hans Faktotum, der sich für den einzigen Bühnenerschütterer (Shakescene) im Lande halte. Von den sechs Truppen, die London bei der Ankunft des Dichters beherbergte, trat Shakespeare derjenigen bei, die sich um den genialen Richard Burbadge scharte, unter dem patronat des Grafen Leicester, später unter dem verschiedener anderer Granden stand und nacheinander im alten “Theater”, in der “Rose”, im “Globus” und im Blackfriarstheater spielte. Als Schauspieler mag Shakespeare nicht allzu bedeutend gewesen sien. Er soll u.a. den Geist im “Hamlet” und den Pater Lorenzo im “Romeo” gespielt haben, - also keine führenden Rollen. Aber als Dramaturg, Regisseur und Dichter war er für die Truppe von größtem Wert, und es dauerte nicht lange, so verfügte er über verhältnismäßig reiche Einnahmen, die er teils in London, teils in Stratford anlegte. Er war Mitbesitzer des Globe- und Blackfriarstheaters, erwarb später ein Haus mit Garten und kaufte sich besonders in seinem Heimatstädtchen an. Hier gehörten ihm nicht nur bald Häuser und Äcker, sondern er konnte auch der Stadt den Zehnten abpachten, so dass er am Ende der wohlhabendste Mann und größte Grundbesitzer von Stratford war. Auch mit seiner Familie war es nach 1590 wieder aufwärts gegangen: sie erhielt sogar ein Wappen und ward in die Gentry, den niederen Adel, aufgenommen. Überhaupt scheint es Shakespeares Plan von vornherein gewesen zu sein, in London sich Geld zu erwerben und dann nach Stratford zurückzukehren. Der Erwerbssinn ist außerordentlich stark in ihm ausgeprägt. Er lieh Geld auf Zinsen, was damals mehr oder minder als Wucher galt, verklagte säumige Schuldner und war ein praktischer und energischer Geschäftsmann. Dass er dabei kein Geizhals und Duckmäuser war, beweisen die aus der Londonder Zeit erzählten Anekdoten, nach denen der Dichter weder einem guten Trunk noch einem galanten Abenteuer abgeneigt war. So soll er einmal belauscht haben, wie eine hübsche Bürgersfrau, die Richard Burbadge in seiner Rolle als Richard III. entzückt hatte, den berühmten Schauspieler zum Stelldichein lud. Als Richard III. sollte er nachts an ihre Tür klopfen. Das Stichwort aber machte sich Shakespeare zunutze, und als Richard Burbadge erschien, war die Stelle schon besetzt, und Shakespeare rief ihm spöttisch durch die Tür zu, dass William der Eroberer vor Richard III. komme. Wenn die Geschichte nicht wahr ist, so ist sie doch gut erfunden, und sie wirft auch ein hübsches Schlaglicht auf die sittlichen Zustände des Merry Old England. Auch an einer schwere, schmerzensreichen Herzensleidenschaft hat der Dichter in London getragen, wie die Sonette uns verraten. Näheres davon wissen wir jedoch nicht.

Verhältnismäßig früh zog sich Shakespeare von der Bühne zurück. Er fühlte sich vielleicht vor der Zeit gealtert. Schon seit etwa 1603 scheint er immer öfter nach Stratford zurückgekehrt zu sein, seit etwa 1610 mag er für immer in seiner Vaterstadt geweilt haben. Dort verwählte er 1607 seine älteste Tochter dem Mediziner, Dr. John Hall, 1616 seine zweite Tochter einem angesehenen Weinhändler. Von Krankheit geplagt, hatte er schon vorher ein ausführliches Testament gemacht, das, mit Änderungen und Nachträgen versehen, im März 1616 von fünf Zeugen durch Unterschrift bekräftigt ward. Die Urkunde ist uns erhalten; sie enthält dreimal den eigenhändigen, mit unsicherer Hand gegebenen Namenszug des Dichters. Wenige Wochen nach der Ausfertigung des Testaments, am 23. April 1616, starb Shakespeare; am 25. April ward er in der Pfarrkirche beigesetzt. Auf seiner Grabplate stehen die vielleicht von ihm selbst dafür gedichteten Worte:

«Gutfreund, bei Jesus! störe du
Nicht diesen Staub in seiner Ruh:
Gesegnet, wer ihn ehrt, den Stein;
Verflucht, wer rührt an mein Gebein.»