UserOnline

Archiv des Monats Mai 2009

” Der Knabe im Moor “- Annette von Droste-Hülshoff

am 31. Mai 2009 unter Gedichte und Balladen abgelegt

aboutpixel.de

Der Knabe im Moor

O schaurig ist’s übers Moor zu gehn, 

wenn es wimmelt vom Heiderauche, 

sich wie Phantome die Dünste drehn 

und die Ranke häkelt am Strauche, 

unter jedem Tritte ein Quellchen springt, 

wenn aus der Spalte es zischt und singt, 

o schaurig ist’s übers Moor zu gehn, 

wenn das Röhricht knistert im Hauche! 



Fest hält die Fibel das zitternde Kind 

und rennt, als ob man es jage; 

hohl über die Fläche sauset der Wind - 

was raschelt drüben am Hage? 

Das ist der gespenstische Gräberknecht, 

der dem Meister die besten Torfe verzecht; 

hu, hu, es bricht wie ein irres Rind! 

Hinducket das Knäblein zage. 



Vom Ufer starret Gestumpf hervor, 

unheimlich nicket die Föhre, 

der Knabe rennt, gespannt das Ohr, 

durch Riesenhalme wie Speere; 

und wie es rieselt und knittert darin! 

Das ist die unselige Spinnerin, 

das ist die gebannte Spinnlenor’, 

die den Haspel dreht im Geröhre! 



Voran, voran! nur immer im Lauf, 

voran, als woll es ihn holen! 

Vor seinem Fuße brodelt es auf, 

es pfeift ihm unter den Sohlen 

wie eine gespenstige Melodei; 

das ist der Geigemann ungetreu, 

das ist der diebische Fiedler Knauf, 

der den Hochzeitheller gestohlen! 



Da birst das Moor, ein Seufzer geht 

hervor aus der klaffenden Höhle; 

weh, weh, da ruft die verdammte Margret: 

“Ho, ho, meine arme Seele!” 

Der Knabe springt wie ein wundes Reh; 

wär nicht Schutzengel in seiner Näh, 

seine bleichenden Knöchelchen fände spät 

ein Gräber im Moorgeschwele. 



Da mählich gründet der Boden sich, 

und drüben, neben der Weide, 

die Lampe flimmert so heimatlich, 

der Knabe steht an der Scheide. 

Tief atmet er auf, zum Moor zurück 

noch immer wirft er den scheuen Blick: 

Ja, im Geröhre war’s fürchterlich, 

O schaurig war’s in der Heide!

Annette von Droste-Hülshoff 

Neues von Conny

am 31. Mai 2009 unter Absolventen abgelegt

txt7_pic7_w100.jpgHallo Martin,

3zwanzig ist ab sofort unter Namen unterwegs. In etwas anderer Besetzung geht es nun als Conny Kanik & Band weiter.

In einer Nacht- und Nebelaktion haben wir im Studio einen Song aufgenommen, und nun sind wir ein bißchen stolz, denn zum ersten Mal könnt ihr uns im Radio hören.
Also falls ihr gerade Urlaub an der Ostsee macht ;-)

Seit gestern läuft bei Antenne Mecklenburg-Vorpommern die neue Single »Ein schöner Tag« und wird dort als Sommerhit promotet. Vielleicht springen ja noch andere Radiosender auf…

Erhältlich ist die Single in allen Medimärkten in Meck-Pomm, sowie als download bei mp3.de.

Herzliche Grüße,

Conny

“Belsazar” Heinrich Heine

am 29. Mai 2009 unter Gedichte und Balladen abgelegt

aboutpixel.de
Belsazar
Die Mitternacht zog näher schon; 
In stummer Ruh lag Babylon. 

Nur oben in des Königs Schloss, 
Da flackert’s, da lärmt des Königs Tross. 

Dort oben in dem Königssaal 
Belsazar hielt sein Königsmahl. 

Die Knechte saßen in schimmernden Reihn 
Und leerten die Becher mit funkelndem Wein. 

Es klirrten die Becher, es jauchzten die Knecht; 
So klang es dem störrigen Könige recht. 

Des Königs Wangen leuchten Glut; 
Im Wein erwuchs ihm kecker Mut. 

Und blindlings reißt der Mut ihn fort; 
Und er lästert die Gottheit mit sündigem Wort. 

Und er brüstet sich frech, und lästert wild; 
Der Knechtenschar ihm Beifall brüllt. 

Der König rief mit stolzem Blick; 
Der Diener eilt und kehrt zurück. 

Er trug viel gülden Gerät auf dem Haupt; 
Das war aus dem Tempel Jehovahs geraubt. 

Und der König ergriff mit frevler Hand 
Einen heiligen Becher, gefüllt bis am Rand. 

Und er leert ihn hastig bis auf den Grund 
Und rufet laut mit schäumendem Mund: 

”Jehovah! dir künd ich auf ewig Hohn - 
Ich bin der König von Babylon!” 

Doch kaum das grause Wort verklang, 
Dem König ward’s heimlich im Busen bang. 

Das gellende Lachen verstummte zumal; 
Es wurde leichenstill im Saal. 

Und sieh! und sieh! an weißer Wand 
Da kam’s hervor wie Menschenhand; 

Und schrieb, und schrieb an weißer Wand 
Buchstaben von Feuer, und schrieb und schwand. 

Der König stieren Blicks da saß, 
Mit schlotternden Knien und totenblass. 

Die Knechtenschar saß kalt durchgraut, 
Und saß gar still, gab keinen Laut. 

Die Magier kamen, doch keiner verstand 
Zu deuten die Flammenschrift an der Wand. 

Belsazar ward aber in selbiger Nacht 
Von seinen Knechten umgebracht.
Heinrich Heine 

Neue Anfrage/ Stimme

am 26. Mai 2009 unter Anfragen / Jobs abgelegt

Aboutpixel.de

Sehr geehrter Herr Leitzinger,

wir suchen für die Firma ….. und habe Ihre Kontaktaddresse von …. erhalten.
Und zwar machen wir ein Casting für die Brandvoice des Kunden ……
Männliche Stimme klanglich zwischen 30 -45 Jahren.

Wir wären sehr dankbar, wenn Sie uns ein paar Vorschläge hätten. Vielen Dank für Ihre Hilfe.

” John Maynard “

am 26. Mai 2009 unter Gedichte und Balladen abgelegt

aboutpixel.de
John Maynard

John Maynard!
“Wer ist John Maynard?”
“John Maynard war unser Steuermann,
Aus hielt er, bis er das Ufer gewann,
Er hat uns gerettet, er trägt die Kron’,
Er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn.
John Maynard.”

Die “Schwalbe” fliegt über den Erie-See,
Gischt schäumt um den Bug wie Flocken von Schnee;
Von Detroit fliegt sie nach Buffalo -
Die Herzen aber sind frei und froh,
Und die Passagiere mit Kindern und Fraun
Im Dämmerlicht schon das Ufer schaun,
Und plaudernd an John Maynard heran
Tritt alles: “Wie weit noch, Steuermann?”
Der schaut nach vorn und schaut in die Rund:
“Noch dreißig Minuten … Halbe Stund.”

Alle Herzen sind froh, alle Herzen sind frei -
Da klingt’s aus dem Schiffsraum her wie Schrei,
“Feuer!” war es, was da klang,
Ein Qualm aus Kajüt und Luke drang,
Ein Qualm, dann Flammen lichterloh,
Und noch zwanzig Minuten bis Buffalo.

Und die Passagiere, bunt gemengt,
Am Bugspriet stehn sie zusammengedrängt,
Am Bugspriet vorn ist noch Luft und Licht,
Am Steuer aber lagert sich´s dicht,
Und ein Jammern wird laut: “Wo sind wir? wo?”
Und noch fünfzehn Minuten bis Buffalo. -

Der Zugwind wächst, doch die Qualmwolke steht,
Der Kapitän nach dem Steuer späht,
Er sieht nicht mehr seinen Steuermann,
Aber durchs Sprachrohr fragt er an:
“Noch da, John Maynard?”
“Ja,Herr. Ich bin.”

“Auf den Strand! In die Brandung!”
“Ich halte drauf hin.”
Und das Schiffsvolk jubelt: “Halt aus! Hallo!”
Und noch zehn Minuten bis Buffalo. - -

“Noch da, John Maynard?” Und Antwort schallt’s
Mit ersterbender Stimme: “Ja, Herr, ich halt’s!”
Und in die Brandung, was Klippe, was Stein,
Jagt er die “Schwalbe” mitten hinein.
Soll Rettung kommen, so kommt sie nur so.
Rettung: der Strand von Buffalo!

Das Schiff geborsten. Das Feuer verschwelt.
Gerettet alle. Nur einer fehlt!

Alle Glocken gehn; ihre Töne schwell’n
Himmelan aus Kirchen und Kapell’n,
Ein Klingen und Läuten, sonst schweigt die Stadt,
Ein Dienst nur, den sie heute hat:
Zehntausend folgen oder mehr,
Und kein Aug’ im Zuge, das tränenleer.

Sie lassen den Sarg in Blumen hinab,
Mit Blumen schließen sie das Grab,
Und mit goldner Schrift in den Marmorstein
Schreibt die Stadt ihren Dankspruch ein:
“Hier ruht John Maynard! In Qualm und Brand
Hielt er das Steuer fest in der Hand,
Er hat uns gerettet, er trägt die Kron,
Er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn.
John Maynard.”

von Theodor Fontane

” Die Bürgschaft “

am 25. Mai 2009 unter Gedichte und Balladen abgelegt

u Dionys, dem Tyrannen, schlich
Damon*), den Dolch im Gewande:
Ihn schlugen die Häscher in Bande,
“Was wolltest du mit dem Dolche? sprich!”
Entgegnet ihm finster der Wüterich.
“Die Stadt vom Tyrannen befreien!”
“Das sollst du am Kreuze bereuen.”

“Ich bin”, spricht jener, “zu sterben bereit
Und bitte nicht um mein Leben:
Doch willst du Gnade mir geben,
Ich flehe dich um drei Tage Zeit,
Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit;
Ich lasse den Freund dir als Bürgen,
Ihn magst du, entrinn’ ich, erwürgen.”

Da lächelt der König mit arger List
Und spricht nach kurzem Bedenken:
“Drei Tage will ich dir schenken;
Doch wisse, wenn sie verstrichen, die Frist,
Eh’ du zurück mir gegeben bist,
So muß er statt deiner erblassen,
Doch dir ist die Strafe erlassen.”

Und er kommt zum Freunde: “Der König gebeut,
Daß ich am Kreuz mit dem Leben
Bezahle das frevelnde Streben.
Doch will er mir gönnen drei Tage Zeit,
Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit;
So bleib du dem König zum Pfande,
Bis ich komme zu lösen die Bande.”

Und schweigend umarmt ihn der treue Freund
Und liefert sich aus dem Tyrannen;
Der andere ziehet von dannen.
Und ehe das dritte Morgenrot scheint,
Hat er schnell mit dem Gatten die Schwester vereint,
Eilt heim mit sorgender Seele,
Damit er die Frist nicht verfehle.

Da gießt unendlicher Regen herab,
Von den Bergen stürzen die Quellen,
Und die Bäche, die Ströme schwellen.
Und er kommt ans Ufer mit wanderndem Stab,
Da reißet die Brücke der Strudel hinab,
Und donnernd sprengen die Wogen
Des Gewölbes krachenden Bogen.

Und trostlos irrt er an Ufers Rand:
Wie weit er auch spähet und blicket
Und die Stimme, die rufende, schicket.
Da stößet kein Nachen vom sichern Strand,
Der ihn setze an das gewünschte Land,
Kein Schiffer lenket die Fähre,
Und der wilde Strom wird zum Meere.

Da sinkt er ans Ufer und weint und fleht,
Die Hände zum Zeus erhoben:
“O hemme des Stromes Toben!
Es eilen die Stunden, im Mittag steht
Die Sonne, und wenn sie niedergeht
Und ich kann die Stadt nicht erreichen,
So muß der Freund mir erbleichen.”

Doch wachsend erneut sich des Stromes Wut,
Und Welle auf Welle zerrinnet,
Und Stunde an Stunde entrinnet.
Da treibt ihn die Angst, da faßt er sich Mut
Und wirft sich hinein in die brausende Flut
Und teilt mit gewaltigen Armen
Den Strom, und ein Gott hat Erbarmen.

Und gewinnt das Ufer und eilet fort
Und danket dem rettenden Gotte;
Da stürzet die raubende Rotte
Hervor aus des Waldes nächtlichem Ort,
Den Pfad ihm sperrend, und schnaubet Mord
Und hemmet des Wanderers Eile
Mit drohend geschwungener Keule.

“Was wollt ihr?” ruft er vor Schrecken bleich,
“Ich habe nichts als mein Leben,
Das muß ich dem Könige geben!”
Und entreißt die Keule dem nächsten gleich:
“Um des Freundes willen erbarmet euch!”
Und drei mit gewaltigen Streichen
Erlegt er, die andern entweichen.

Und die Sonne versendet glühenden Brand,
Und von der unendlichen Mühe
Ermattet sinken die Kniee.
“O hast du mich gnädig aus Räubershand,
Aus dem Strom mich gerettet ans heilige Land,
Und soll hier verschmachtend verderben,
Und der Freund mir, der liebende, sterben!”

Und horch! da sprudelt es silberhell,
Ganz nahe, wie rieselndes Rauschen,
Und stille hält er, zu lauschen;
Und sieh, aus dem Felsen, geschwätzig, schnell,
Springt murmelnd hervor ein lebendiger Quell,
Und freudig bückt er sich nieder
Und erfrischet die brennenden Glieder.

Und die Sonne blickt durch der Zweige Grün
Und malt auf den glänzenden Matten
Der Bäume gigantische Schatten;
Und zwei Wanderer sieht er die Straße ziehn,
Will eilenden Laufes vorüber fliehn,
Da hört er die Worte sie sagen:
“Jetzt wird er ans Kreuz geschlagen.”

Und die Angst beflügelt den eilenden Fuß,
Ihn jagen der Sorge Qualen;
Da schimmern in Abendrots Strahlen
Von ferne die Zinnen von Syrakus,
Und entgegen kommt ihm Philostratus,
Des Hauses redlicher Hüter,
Der erkennet entsetzt den Gebieter:

“Zurück! du rettest den Freund nicht mehr,
So rette das eigene Leben!
Den Tod erleidet er eben.
Von Stunde zu Stunde gewartet’ er
Mit hoffender Seele der Wiederkehr,
Ihm konnte den mutigen Glauben
Der Hohn des Tyrannen nicht rauben.”

“Und ist es zu spät, und kann ich ihm nicht,
Ein Retter, willkommen erscheinen,
So soll mich der Tod ihm vereinen.
Des rühme der blut’ge Tyrann sich nicht,
Daß der Freund dem Freunde gebrochen die Pflicht,
Er schlachte der Opfer zweie
Und glaube an Liebe und Treue!”

Und die Sonne geht unter, da steht er am Tor,
Und sieht das Kreuz schon erhöhet,
Das die Menge gaffend umstehet;
An dem Seile schon zieht man den Freund empor,
Da zertrennt er gewaltig den dichten Chor:
“Mich, Henker”, ruft er, “erwürget!
Da bin ich, für den er gebürget!”

Und Erstaunen ergreifet das Volk umher,
In den Armen liegen sich beide
Und weinen vor Schmerzen und Freude.
Da sieht man kein Auge tränenleer,
Und zum Könige bringt man die Wundermär’;
Der fühlt ein menschliches Rühren,
Läßt schnell vor den Thron sie führen,

Und blicket sie lange verwundert an.
Drauf spricht er: “Es ist euch gelungen,
Ihr habt das Herz mir bezwungen;
Und die Treue, sie ist doch kein leerer Wahn -
So nehmet auch mich zum Genossen an:
Ich sei, gewährt mir die Bitte,
In eurem Bunde der Dritte!”

Friedrich Schiller

” Der Panther “

am 24. Mai 2009 unter Gedichte und Balladen abgelegt

aboutpixel.de
Der Panther

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.

Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -.
Dann geht ein Bild hinein,geht durch der Glieder angespannte Stille -
und hört im Herzen auf zu sein.

Rainer Maria Rilke, 6.11.1902, Paris

Neue Anfrage/ Kurzfilm

am 23. Mai 2009 unter Anfragen / Jobs abgelegt

Schauspielschule Deutschland Filmschauspiel

Sehr geehrter Herr Leitzinger,

für einen halbstündigen Kurzfilm mit dem Arbeitstitel “Der
Vortäuscher” suchen wir noch dringend einige Kleindarsteller und
Statisten. Gedreht wird bereits Anfang Juni im Raum Stuttgart (Details
siehe Anhang). Unter anderem sind wir für den “Deutschen
Nachwuchsfilmpreis” im Rahmen des Up-And-Coming-Festivals nominiert,
hochwertige Festival-Auswertung ist also garantiert.

Könnten Sie den Anhang aushängen, bzw. anderweitig an die
Schauspielerschüler weitergeben? Sie würden uns sehr damit helfen.

Neues von Torsten

am 22. Mai 2009 unter Absolventen abgelegt

neues-von-torsten-mai-09.jpg

Engagiert für vier Rollen an der Württembergischen Landesbühne Esslingen
Vor der Kamera für ein Magazin auf Pro7.

Näheres in Kürze.

Ionesco

am 22. Mai 2009 unter Theatergeschichte abgelegt

aboutpixel.de

Er wurde 1909 (und nicht, wie häufig zu finden, 1912) unter dem Namen Eugen Ionescu im damaligen Königreich Rumänien als erstes Kind eines Juristen und Verwaltungsbeamten und der in Rumänien aufgewachsenen Tochter eines dort tätigen französischen Eisenbahningenieurs geboren. 1913 ging die junge Familie nach Paris, weil der Vater dort promovieren wollte. Als 1916 Deutschland und Österreich Rumänien den Krieg erklärten, kehrte der Vater zurück in sein Heimatland, wo er sehr rasch alle Verbindungen zu seiner Familie kappte, die Scheidung beantragte und wieder heiratete.
Der inzwischen sechsjährige Ionesco blieb zusammen mit seiner jüngeren Schwester und seiner Mutter, die sich und die Kinder mühsam mit Gelegenheitsarbeiten und Zuwendungen ihrer französischen Verwandten ernährte, in Paris. Er wurde, damit die Mutter arbeiten konnte, in ein Kinderheim gesteckt, in dem er sich aber nicht eingewöhnen konnte. Die Jahre 1917-19 lebten er und seine Schwester bei einer Bauernfamilie in einem Dorf, La Chapelle-Athenaise, nahe Laval (Mayenne), Normandie – in seiner Erinnerung eine paradiesische Zeit.
1925 gingen die Geschwister zum Vater nach Bukarest. Hier mussten sie, obwohl sie durch ihren Vater rumänische Staatsbürger waren, Rumänisch fast wie eine Fremdsprache lernen und fanden kein Verhältnis zu ihrer (kinderlos gebliebenen) Stiefmutter. 1926 überwarf sich Ionesco mit seinem offenbar sehr autoritären Vater, der für die inzwischen manifesten literarischen Interessen seines sechzehnjährigen Sohnes nur Verachtung übrig hatte und einen Ingenieur aus ihm machen wollte.
Ionesco zog zur Mutter, die inzwischen auch wieder nach Rumänien gekommen war und einen passablen Posten bei der rumänischen Staatsbank gefunden hatte. 1928 begann er ein Französischstudium an der Universität Bukarest. Hier war er Schüler von Nicolae C. Ionescu, und er lernte Émile Michel Cioran und Mircea Eliade sowie seine spätere Frau Rodica Burileanu kennen, eine Philosophie- und Jurastudentin aus einflussreicher rumänischer Familie. Daneben las er viel und schrieb (auf Rumänisch) Lyrik, Feuilletonistisches und Literaturkritiken. Nachdem er 1934 sein Studium abgeschlossen hatte, unterrichtete er Französisch an verschiedenen Schulen und anderen Bildungseinrichtungen. Im Jahr 1936 heiratete er.
1938 beschaffte sich Ionesco über das Bukarester Institut français ein Promotionsstipendium für Frankreich, nicht zuletzt um dem Druck zu entgehen, der in dem zunehmend totalitären Rumänien auf eher linken Intellektuellen wie ihm lastete. Von Paris aus belieferte er rumänische Zeitschriften mit Neuigkeiten aus der Pariser literarischen Szene.
Nach der Niederlage Frankreichs im “Blitzkrieg” (Mai/Juni 1940) gingen er und seine Frau zurück in das zu dieser Zeit relativ ruhige Rumänien, wo er als Soldat gemustert, aber nicht eingezogen wurde.
1942 oder 1943, nachdem sich Rumänien 1941 Deutschland im Krieg gegen die Sowjetunion angeschlossen hatte, schafften es die Ionescos, wieder in das nunmehr ruhigere Frankreich zu reisen, wo sie (zunächst in Marseille, dann in Paris) endgültig blieben. Dort wurde auch 1944 ihr einziges Kind, die Tochter Marie-France, geboren. Finanziell ging es ihnen schlecht, Ionesco verdingte sich als Druckfahnen-Korrektor in einem Pariser juristischen Verlag, wo er bis 1955 angestellt blieb.
1948 konzipierte Ionesco (zunächst auf Rumänisch) sein erstes Stück, La Cantatrice chauve/Die kahle Sängerin, das 1950 aufgeführt wurde und, wenn auch nicht beim Publikum, so doch bei etlichen Kritikern und Literaten Beachtung fand. 1950 nahm er, dessen Muttersprache ohnehin Französisch war, die französische Staatsbürgerschaft an. Er verfasste die Stücke La Leçon/Die Unterrichtsstunde (Aufführung 1951) und Jacques ou la Soumission/J. oder die Unterwerfung, die ihn nun ganz zu einem Französisch schreibenden Autor werden ließen.
1951 folgten Les Chaises/Die Stühle, Le Maître/Der Lehrer und L’Avenir est dans les œufs/Die Zukunft ist in den Eiern. 1952 entstand Victimes du devoir/Opfer der Pflicht, zugleich wurden La Cantatrice chauve und La Leçon wieder aufgeführt. 1953 war ein Erfolgsjahr: die Victimes wurden uraufgeführt, dazu mit Erfolg eine Serie von sieben Sketchen. Ein erster Sammelband von Stücken wurde gedruckt. Des Weiteren verfasste Ionesco Amédée ou comment s’en débarrasser /A. oder Wie soll man ihn loswerden und Le nouveau locataire/Der neue Mieter.
Ionesco hatte sich nun als absurd-witziger Autor etabliert, der auch schon fast von seinen Stücken leben konnte. 1954 schrieb er Le Tableau/Die Tafel und die Erzählung Oriflamme und machte eine erste Vortragsreise ins Ausland (nach Heidelberg). 1955 verfasste er L’Impromptu de l’Alma/Das Stegreifstück der Alma und erlebte die erste Aufführung eines seiner Stücke im Ausland (Le nouveau locataire). 1957 wurden La Cantatrice chauve und La Leçon von dem kleinen Pariser Théâtre de la Huchette neu einstudiert, wo sie ununterbrochen bis heute (Mai 2006) im Programm sind.

Im Herbst 1957 erschien die Erzählung Rhinocéros, mit der Ionesco offenbar verängstigt auf den seuchenhaften Ausbruch von Hurra-Patriotismus und Rassismus reagierte, den Frankreich während der von den Medien aufgebauschten “Schlacht von Algier” (Winter 1956/1957) erlebte, mit der das französische Militär die Wende im Algerienkrieg (1954-1962) zu erreichen hoffte. Im Herbst 1958 entstand das Stück Rhinocéros/Die Nashörner, das Handlung und Personenkonstellation der gleichnamigen Erzählung leicht verändert übernahm und wo Ionesco, offenbar erneut verängstigt, warnend auf die “Machtergreifung” General de Gaulles reagierte, von dem sich in der Tat viele seiner Anhänger zunächst ein autoritäres rechtes Regime erhofften.
Als das Stück, das für Frankreich zunächst als zu brisant erschien, 1959 in Düsseldorf uraufgeführt wurde, glaubte das deutsche Publikum allerdings, es nehme den Nationalsozialismus beziehungsweise dessen unkritische und allzu willige Mitläufer aufs Korn – eine Deutung, die man in Frankreich nur zu gern übernahm, als Rhinocéros 1960 auch im inzwischen wieder ruhigen Paris inszeniert wurde. Ionesco selber deutete später sein Stück in dem Sinne, dass es nicht auf eine bestimmte Ideologie bezogen, sondern als generelle Kritik an Massenbewegungen gemeint sei.
Im Winter 1958/1959 entwickelte er aus der Erzählung Oriflamme das Stück Tueur sans gages/Killer ohne Lohn.
1961/1962 entstand Le Roi se meurt/Der König stirbt, ein verschlüsselter Abgesang auf Frankreichs endende Rolle als einst stolze Kolonialmacht. 1962 verfasste er Délire à deux/Delirium zu zweit und Le Piéton de l’air/Fußgänger der Luft (letzteres wiederum zuerst als Erzählung und erst danach als Stück). Ebenfalls 1962 erschien unter dem Titel Notes et contre-notes eine Sammlung von Artikeln und Vorträgen Ionescos zu seinem Theater.
1964 wurde in Düsseldorf mit La Soif et la faim/Hunger und Durst eine weitere Ionesco-Uraufführung inszeniert. Im selben Jahr wurde mit Rhinocéros erstmals ein Stück von ihm in seinem Geburtsland Rumänien aufgeführt.